Freitag, 1. April 2011

Die Botschaft vom Reich Gottes, die Botschaft der Wahrheit, die zu Umkehr und Versöhnung führt (V)


3. Vergebung, Buße und Neuanfang:

Den Menschen von den Stricken und Abhängigkeiten der Sünde und des Todes zu befreien, hat Jesus seine Kirche gegründet.
Sie ist sein Leib (vgl. 1 Kor 12), eine Kirche der „Sünder und der Heiligen“, denn „dort wo die Sünde mächtig wurde, ist die Gnade umso größer“ (Röm 5,20b).
Der aus der Gnade Gottes gerecht gesprochene Sünder, wie Paulus sagt (vgl.Röm 4,25;5,1-2;5,10-11:“Da wir mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Gottes Feinde waren, werden wir erst recht, nachdem wir versöhnt sind, gerettet werden durch sein Leben.“), hat Gottes Heilshandeln an sich erfahren und weiß sich gerade in seiner Schwachheit und menschlichen Unvollkommenheit von Gott angenommen und getragen.

Seine „Heiligkeit“ ist nicht sein Verdienst, sondern kommt von Gott, der Heil ist und Heil schenkt, durch seinen Sohn den Menschen zu.            
Die größere Gnade Gottes, jenseits jeder menschlicher Verdienste und Selbstgerechtigkeit herauszustellen, galt Jesu ganze Sorge.  Ein Unterfangen, mit dem Jesus oft an die intellektuellen Grenzen seiner Jünger stieß
(vgl. Mk 10,32-45; 34: „Jesus sagte: sie werden ihn verspotten, anspucken, geißeln und töten“; 37: Sie sagten: Lass in deinem Reich einen von uns rechts und den anderen links neben die sitzen. Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht um was ihr bittet!“).
Nicht zuletzt deshalb, weil er alle menschlichen Maßstäbe (Ansehen, Macht, Einfluss etc.) für falsch erklärte und umwertete:
 Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele!“.(Mk 10,43-45)

Zahlreiche Gleichnisse Jesu bezeugen diese Intention:
-          Im Himmelreich ist größere Freude über einen Sünder der umkehrt als über 99 Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren (vgl. Lk 15,3-7),
-         die Geschichte vom barmherzigen Samariter(vgl. Lk 10,25-37),
-         das Gleichnis von der verlorenen Drachme (vgl. Lk 15,8-10),
-         dem Einkehren und Essen Jesu bei Zöllnern und öffentlichen Sündern (vgl. Lk 7,34-35; 7,36-50),
-         das Gleichnis vom barmherzigen Vater – oder dem verlorenen Sohn (vgl. Lk 15,11-32).
Jesus, das heißt Gott, will nicht den Tod des Sünders, sondern dass er lebt.

Zu einem Neuanfang, den Gott  schenkt, und der dem Menschen hilft mit seiner Schuld zu leben und „sein Kreuz anzunehmen und zu tragen“, dazu, echte und aufrichtige Buße zu tun, führt Jesus.
Der Glaubende kann darauf  vertrauen, dass nichts in seinem Leben ohne Sinn ist.
Die Verbindung von Haupt und Gliedern, von Weinstock und Reben lassen die Aussage zu, dass Jesus ganz konkret, ganz leiblich in seinem Jünger, seiner Jüngerin lebt und sein Heilswerk durch sie und mit ihr verwirklicht.

Gerade in Situationen von Krankheit, von unverschuldetem Leid, von seelischer Not ist die Nachfolge Jesu eine extreme Herausforderung und stößt nicht selten auf Unverständnis und Ablehnung.

Jesus selbst bittet im Garten von Getsemani darum, dass dieser Kelch an ihm vorbeigehen möge, fügt aber dann hinzu: nicht mein Wille geschehe, sondern der deine (vgl. Lk 22,39-45).
Gerade dazu, für diesen Willen Gottes, der zum Heil führt und der Heilung an Leib und Seele schon in diesem Leben bewirkt, empfänglich zu sein, ermutigt Jesus. Er selbst ist es,  der auf das freiwillig gesprochene „Ja“ des Menschen zu Ihm angewiesen ist, und ihn gerade darin in seiner Freiheit ernstnimmt.
Ein Gebet, das dieses Anliegen aufgreift, kann folgenden Inhalt haben:

„Lieber Vater im Himmel, lieber Herr Jesus, ich weiß nicht, warum ich in diese Lebenslage gekommen bin; ich weiß nicht, was das alles für einen Sinn haben soll; aber ich vertraue Dir, dass Du mich jetzt so brauchst; dass ich dir so am besten für Dein Heilswerk zu Diensten bin, dass ich so für andere Menschen da sein kann. Gib mir Kraft und reich mir deine ausgebreiteten Hände, die den Petrus vor dem Ertrinken retteten!“

Hinter dem Gebet verbirgt sich eine Antwort auf die Frage: „Wofür lebe ich?“ und „Für wen lebe ich?“ Der hl. Paulus schreibt auf  diese Frage angesprochen an die Gemeinde in Rom:
Keiner von uns lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber; leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir leben oder wir sterben, wir gehören dem Herrn!“ (Röm 14,6-8)

Gottes Liebeshandeln anzunehmen, für Gottes Barmherzigkeit zu leben und Erbarmen zu zeigen, auch „dem gegenüber, der kein Erbarmen gezeigt hat“(Jak 2.13),  „Tote aufwecken“, „Kranke heilen“, „Dämonen austreiben“(Mk 16,15-18),dazu befähigt  Jesus seine Jünger.
Es geht nicht um menschliche Leistung – sondern, darum dass das Leben jedes Christen und der Kirche insgesamt auf Gott hin transparent ist. ER ist es, der
durch die Kirche in dieser Welt lebt und durch sie den Menschen die Hoffnung auf  Vollendung und Erlösung verkündet und bezeugt.

Jesus ist die authentische und letztgültige Aussage Gottes.
Er verdeutlicht den religiösen Führern seines Volkes, dass das Gesetzes- und Regelwerk des Mose mit Geboten, Forderungen und Rechtsvorschriften den Menschen vor Gott nicht „entschulden“ kann, bzw. die genaue Beachtung desselben, keine Sündenvergebung bewirkt. Es kann aber als Maßstab dienen, das Liebesgebot Jesu in konkrete Handlung umzusetzen.

Jesus hingegen setzt auf die  Bekehrung des „Herzens“.
Der Begriff „Herz des Menschen“ meint den Einklang von Wille, Verstand und Gefühl. Das „Herz des Menschen“ ist biblisch gesprochen, der Ort des Gewissens, von dem Gutes aber ebenso Schlechtes und Böses ausgehen (vgl. Mk 7,14-20).
Deshalb, so sagt es der Prophet Ezechiel,  legt Gott, bei der Wiederkunft des Menschensohnes sein Gebot in das Herz des Menschen (Ez 36,26-27).
 Mit Jesus in der Bergpredigt gesprochen heißt das:  
Leistet dem der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand,… liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet.“ (vgl. Mt 5,39,44-45)

Die Bekehrung des Herzens verlangt sowohl vom einzelnen Jünger/in, als auch der Kirche als Ganzer sich der Gnade Gottes aussetzen. Was bedeutet, dass die Maßstäbe die sie vertritt, auch für sie verbindlich Geltung haben.
Umkehr, Busse und Demut sind für die Kirche von daher unabdingbar, damit ihre Dienstfunktion erhalten bleibt und nicht Machtstreben in ihr überhand nehmen.
Genauso wenig ist eine moralischen Prinzipien entsprechende Vollkommenheit, wie der Apostel Paulus zeigt, gleichzusetzen mit „gerecht vor Gott sein!“
Erst das letztere bewirkt ein zutiefst von Liebe und Demut getragenes Streben nach Vollkommenheit. Es ist nicht Werk des Menschen allein sondern ausschließlich mit „Gottes Hilfe und Erbarmen“ möglich.
Dass sich keiner seiner eigenen Leistung rühmen möge – vor diesem Hochmut warnt der Apostel Paulus, der sich lieber seiner Schwäche rühmt, und sagt:
Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark!, denn so  ist klar, dass das Übermaß der Gnade allein von Gott kommt!“ (2 Kor 12,7-10).

Die Kirche, die als institutionelle und sichtbare Größe dem Anspruch ihres Herrn verpflichtet ist, Reich Gottes in der Welt zu künden und zu vertreten
muss ihre Überzeugung gerade im Umgang mit „Sündern“, insbesondere mit solchen Menschen, die ihrer Schuld einsichtig geworden, bereit zu Buße und Umkehr sind, auch gegen äußeren Druck, gesellschaftliche Zwänge und Opportunitäten, umsetzen und leben.
Sonst wird der bußfertige Sünder mit dem unbußfertigen gleichgestellt.
Was wiederum im Gegensatz zum göttlichen Gebot steht, mit dem Sünder, der zu Umkehr und Buße bereit ist, Erbarmen zu haben

Das von Jesus stammende und am Anfang aufgegriffene Wort: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“, denn es ist, ein Reich der Wahrheit, der Gerechtigkeit und des Friedens, kommt gerade in der Behandlung und im Umgang mit der Thematik „Umkehr und Versöhnung“ auf den Punkt.
Der neue Himmel und die neue Erde, die von Gott in diese Welt hineinreichen, werden von der Kirche in den Sakramenten, der Liturgie und der Caritas glaubwürdig bezeugt.
Als befreiender Lebensentwurf verstanden, ist somit das Christsein der einzig sinnvolle und vernünftige Gegenentwurf zu der eindimensionalen Welt des Konsums und des allein menschlich Möglichen.
Nur das Christsein, das in der Nachfolge des Herrn Jesus Leben, schenkt Zukunft, die die Angst vor dem Tod und vor dem endgültigen Aus für den Menschen überwindet.

Tod wo ist dein Stachel? – ob wir leben oder sterben, wir gehören dem Herrn!“
(1 Kor 15,1)

Eine größere Liebe hat keiner, als der der sein Leben hingibt für seine Freunde. Ihr seid meine Freunde, denn ich habe euch alles gesagt, was ich von meinem Vater gehört habe. Ihr seid meine Freunde,  wenn ihr tut was ich euch auftrage“ (Joh 15,13-15)

Donnerstag, 31. März 2011

Die Botschaft vom Reich Gottes, die Botschaft der Wahrheit, die zu Umkehr und Versöhnung führt (IV)


2.     2. Aus der Gotteskindschaft leben und Arbeiter im Reich Gottes sein:

Aus dieser Sicht ist die Weisung Jesu zu verstehen:
Seid barmherzig, wie euer Vater im Himmel barmherzig ist, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten!“ (Mt 5,46)
Der Umgang der Christen miteinander sowie mit jedem Menschen hat sich an die „Magna Charta“ des Reiches Gottes, dem Liebesgebot (Joh 13,34-35), zu halten.
Dieselben hohen Maßstäbe gelten für die Themen „Gerechtigkeit“, und „Umgang mit materiellen Gütern“. Beide Bereiche beinhalten die Gefahr, dass sie den Menschen in Besitz nehmen und auf diese Weise für den Menschen zum Götzen werden. Für die Gerechtigkeit bedeutet dies, dass der Mensch sich zum Richter über andere Menschen aufspielt und sich eigene Gesetze und Rechtsordnungen schafft. Willkürliche Unterdrückung des Schwächeren und des Gegners wären die Folge. Ähnlich verhält es sich mit dem Reichtum und dem materiellen Besitz. Auch dies kann dem Menschen in falscher Sicherheit wiegen, zu Überheblichkeit und zum einem Realitätsverlust führen.
Jesus möchte, dass der Mensch frei wird von jeglichem Machtstreben und es dem Menschen einzig und allein um das „Reich Gottes“ geht.
Im Reich Gottes gelten andere Zahlmittel, als in der Welt, und unsere „weltlichen Vorstellungen wie Mann/Frau was wird“, sind für den Erwerb des Bürgerrechts des Reiches Gottes ungeeignet.
 Dienen anstatt herrschen, Kleinsein anstatt groß rauskommen sind das Eintrittsticket zum Reich Gottes. Jesus hat es durch sein Leben, Leiden, Sterben und seine Auferstehung für uns bei seinem Vater erworben.
Das Gebot des Dienens und der Hingabe aus Liebe ist das alleinige Gesetz des Reiches Gottes. Der Jünger Jesu hat sich daran zu halten und in seinem „Umgang mit den Dingen dieser Welt“ darauf zu achten, dass sie auf Gott und das Reich Gottes hinweisen, oder als Werkzeug für die Umsetzung der göttlichen Wert-und Weltordnung dienen.

Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und der Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen!“ (Mt 5,20)

„Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist!“
(Mt 5,48)
Jesus sagte: Meine Kinder, wie schwer ist es, in das Reich Gottes zu kommen!
Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als das ein Reicher in das Reich Gottes gelangt. Sie erschraken und sagten zueinander: Wer kann dann noch gerettet werden? Jesus sah sie an und sagte:
Für Menschen ist das unmöglich, aber nicht für Gott; denn für Gott ist alles möglich!“ (Mk 10,24-27)

Die Worte Jesu „für Menschen ist das unmöglich, aber nicht für Gott, denn für Gott ist alles möglich!“ sind entlastend.
Es wird klar, dass Gott es ist, der sein HEIL entgegen allem Dunkel der Sünde,
entgegen aller Schlechtigkeit, Unfähigkeit und Faulheit der Jünger Jesu,
zum endgültigen Durchbruch bringen wird. Das ist sicher.
Doch Reich Gottes ereignet sich nicht nur als Endergebnis aller Geschichte von Raum und Zeit – also am Ende der Erde und des Universums.
Es will zu jeder Zeit der Geschichte und in der Geschichte des Menschen als Aufgabe und Auftrag von seinem „Bodenpersonal“ (Kirche) ermöglicht werden.
Für das konkrete Wahrnehmen von Reich Gottes sind solche Themen von Bedeutung, die den Mensch Zeit seines Lebens betreffen und mit denen er sich immer wieder neu konfrontiert sieht. Die nach letztgültigen Antworten suchen und die Verantwortlichkeit des Menschen für sein Tun, oder Nichttun benennen. Themen wie:
-         Sünde, Schuld, schuldig werden,  
-         Reue, Buße und Sühne,
-         Vergebung und Neuanfang
sind für jeden Menschen, egal ob religiös oder nicht religiös eingestellt oder geprägt, von großer Bedeutung.
Die Maßstäbe, die einen Christen im Umgang mit ihnen kennzeichnen und die sein Leben prägen, sind von Jesus vorgegeben.
Die immer wieder aufgegriffene alttestamentliche Aussage:
So spricht der Herr: Ich will nicht den Tod des Sünders, sondern dass umkehrt und lebt!“  
So wahr ich lebe- Spruch Gottes, des Herrn-, ich habe kein Gefallen am Tod des Schuldigen, sondern daran, dass er auf seinem Weg umkehrt und am Leben bleibt!“ (Ez 33,11)
zeigt die Richtung an, wie Reich Gottes von den Menschen als Heilsweg erfahren werden kann:
Reich Gottes ist die Hinwendung Gottes zum Sünder! Als Konsequenz erfolgt daraus:
-         die Abkehr vom Bösen,
-         die Vergebung der Sünden,
-         die Wiederherstellung der Gottesebenbildlichkeit und
-         die Rückkehr des Menschen in Gottes Lebens-und Liebesgemeinschaft.

Dienstag, 29. März 2011

Die Botschaft vom Reich Gottes, die Botschaft der Wahrheit, die zu Umkehr und Versöhnung führt (III)


Berufen zu Nachfolge und Zeugnis:

In der Nachfolge des Herrn zu „stehen“, in seine Kirche (griech: „ekklesia“=
 „die Heraus-Gerufene“) berufen zu werden, geht allein auf den Ruf Jesu zurück und ist keine Selbstverständlichkeit, auf die gar ein Anrecht bestünde.       „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt.“ (Joh 15,16).

Es ist ein reiner „Gnadenakt“ Gottes, der dem Menschen im hl. Sakrament der Taufe geschenkt wird. Ein unzertrennbares Band wird bei der Taufe zwischen Schöpfer und Geschöpf  geknüpft.
Der himmlische Vater nimmt den Menschen in seinem Sohn Jesus Christus durch den Heiligen Geist als sein geliebtes Kind an.
Er ist durch die Taufe von der Sünde, insbesondere von der „Erbsünde“, durch das Blut des Lammes befreit:
Jetzt gibt es keine Verurteilung mehr für die, welche in Christus Jesus sind. Denn das Gesetz des Geistes, des Lebens in Christus Jesus, hat dich frei gemacht vom Gesetz der Sünde und des Todes!“ (Röm 8,1-2)
Dadurch ist es dem Menschen ermöglicht, Christus nachzufolgen.
                  
„Ruf-Antwort-Folgen-Nachfolge“ so lautet der Vierschritt. Die Erfordernis besteht nicht in menschlich machbaren Qualitäten oder allein durch eigene Mühen erreichter moralischer Reinheit (die stets in Gefahr wäre zur Bigotterie zu entarten), sondern Gott schenkt dem Sünder Heiligkeit.
Der Menschen hat sich dem Ruf der Gnade ein Leben lang auszusetzen und ihn an sich geschehen zu lassen. Unser Vorbild haben wir hierbei in der Jungfrau Maria:
Siehe ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort“ (Lk 1,37)

1.     Umkehren und Gottes Handeln zulassen:

Das demütige Anerkennen der Geschöpflichkeit, d.h.
-         das Einsehen und das Bekennen eigener Fehler,
-         die Erkenntnis „moralisch-sittlich“ zu versagen,

-         das Geständnis von Schuld und das Anerkennen der Ohnmacht, begangenes Unrecht nicht einfach wieder „gut machen zu können“,
-         dem, der an mir schuldig geworden ist, zu vergeben,
-         die Bereitschaft zur Umkehr, verbunden mit der aufrichtigen Bitte um das Erbarmen Gottes.
All das sind seitens des Menschen die gebotenen Einsichten und nötigen Schritte.    
Gott erweist seine Gerechtigkeit im Erbarmen mit dem Sünder und bewirkt damit seine Rechtfertigung:
Der hl. Apostel Paulus schreibt:
Christus ist schon zu der Zeit, da wir noch schwach und gottlos waren, für uns gestorben. Dabei wird nur schwerlich jemand für einen Gerechten sterben, vielmehr wird er jedoch für einen guten Menschen sein Leben wagen. Gott aber hat seine Liebe zu uns darin erwiesen, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“ (Röm 5,6-8).

Und im 1. Johannes Brief können wir lesen:
Die Liebe Gottes wurde unter uns dadurch offenbart, dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben. Nicht darin besteht die Liebe, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn
als Sühne für unsere Sünden gesandt hat.“ (1 Joh 4,9-10)

Jesus hat sein Leben hingegeben für die Sünder, nicht für die Gerechten.
Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich nicht Opfer.
Denn ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten!“
(Mt 9,13)

Der Mensch als Sünde kann Gottes Erbarmen nicht einfordern;
er besitzt keinen Rechtstitel auf  eine „Gnadenzuweisung“.
Nur als einen von Gottes größerer Liebe getragenen Akt, kann der Mensch Gottes Erbarmen und seine Barmherzigkeit an sich geschehen lassen.
Nach dem paulinischen Verständnis von Gerechtigkeit Gottes, ist folglich der Sünder der eigentlich „Gerechte“ (nämlich der von Gott mit seiner eigenen Gerechtigkeit Versehene),  

während  sich der vor Gott auf seine guten Taten und das vollkommene Beachten und Einhalten der Gebote berufende und sich dessen rühmende Mensch der verstockte Sünder bleibt.
Das Verständnis, als Mensch „Sünder“  Gott gegenüber zu sein und lebenlang zu bleiben, ist eine Grunderkenntnis, die dem Menschen aus dem Glauben an Jesus Christus geschenkt wird.
Das „Sündersein vor Gott“,  das von ihm Abgesondertsein (so ist die eigentliche Bedeutung des Wortes Sünde) durch zu IHM im Widerspruch stehende Grundhaltungen, Handlungen und Überzeugungen, bezeichnet das Grundverhältnis von Geschöpf zu Schöpfer;  eher sekundär (weil aus der Grundverfassung resultierend) sind unmoralisches Handeln, oder Nichteinhalten göttlicher Gebote oder Verstöße gegen das Naturrecht.
Es bezeichnet das Verhältnis von Schöpfer zu Geschöpf, von Gott zum Menschen.
Wenn der Mensch sich der „Wahrheit seiner Existenz stellt“, und sich folglich dem Willen Gottes unterstellt, wird er eine innere Freiheit erfahren, die Umkehr und zugleich Versöhnung bewirkt:
-         Versöhnung und Aussöhnung des Menschen mit sich und seiner Lebensgeschichte,
-         Versöhnung mit seiner Umwelt,
-         Versöhnung mit seinem Nächsten und letztlich
-         Versöhnung mit Gott.  
  
Die „Sünde“ ist der bleibende Anreiz für Gott, sich mit umso größerer Liebe und Erbarmen dem Menschen zuzuwenden:
„wo jedoch die Sünde mächtig wurde, da ist die Gnade übergroß geworden
(Röm 5,20b).

Einfacher gesagt:
Der Mensch braucht nicht länger gottgleich perfekt zu scheinen um Ansehen, Wert und Würde zu haben.
Die Würde ist Selbstverständlichkeit, die von Gott ausgeht und die er dem Menschen, als seinem Ebenbild, in Christus zukommen lässt.

Wie bereits erwähnt, ist der Mensch in der Taufe in das neue Gott-Mensch-Verhältnis aufgenommen. Die vollkommene Hingabe des Sohnes an den Willen des Vaters, durch den Tod und die Auferstehung Christi, haben dies bewirkt.
Der Christ steht in Jesus, dem Heiland und Erlöser, als der Sohn, nicht dem eigenen biologischen Geschlecht entsprechend als Sohn und Tochter, vor dem himmlischen Vater,
in Fleisch und Blut = „das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird, das ist mein Blut, dass für euch vergossen wird“.
Ist der Kelch des Segens, über den wir den Segen sprechen, nicht Teilhabe am Blute Christi? Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi? Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben Teil an dem einen Brot.“ (1 Kor 10,16) 

Er ist Bürger der himmlischen Stadt, „die vom Himmel niedergeht in die Erdenzeit!  (vgl. GL 642,1)